Legasthenie/LRS
 


 

Definitionen:

"Ein legasthener Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens".
(Pädagogische Definition von Dr. Astrid Kopp Duller 1995)

„Legasthene und dyskalkule Menschen haben eine besondere Informationsverarbeitung und dadurch bedingt eine besondere Lernfähigkeit, welche an die pädagogisch-didaktische Interventionsebene hohe Anforderungen stellt.“
(Dr. Astrid Kopp-Duller 2010)

Lese- und/oder Rechtschreibschwierigkeiten sind vorübergehend.
Eine spezielle Lese- und/oder Rechtschreibschwäche (auch Legasthenie genannt) oder Lese- und Rechtschreibstörung dagegen
bezeichnet eine umschriebene Störung im Erlernen der Schriftsprache, die nicht durch eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklungs-, Milieu- oder Unterrichtsbedingungen erklärt werden kann.
Vielmehr ist die Legasthenie das Ergebnis von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, Motorik und/oder der sensorischen Integration, die im Allgemeinen anlagebedingt sind.

Die Lese- und Rechtschreibstörung ist nach dem internationalen Klassifikationsschema ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine anerkannte Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (F 81.0 bzw. F 81.1), die einer qualifizierten Therapie bedarf, welche sich anderer Konzepte und Methoden als die Schule bedient.

Mit herkömmlicher Nachhilfe und vermehrten Rechtschreibübungen ist es nicht getan. Im Gegenteil, dadurch entsteht oft mehr Schaden als Nutzen; denn auf diese Weise werden den betroffenen Kindern vielfach Lese- und Rechtschreibstrategien vermittelt, die ihren Lernprozess eher behindern statt fördern. Wenn keine spezifische, der Störung angemessene Behandlung erfolgt, erleben die Kinder trotz großer Anstrengungsbereitschaft nur kurzfristige Erfolge und verlieren mit der Zeit Selbstvertrauen und Lernmotivation. 



Symptome einer Legasthenie


1. Lesen und Schreiben:
eingeschränkte bzw. verlangsamte Phonem-Graphem-Zuordnung(Laut-Schrift-Zuordnung)
langsames bzw. fehlerhaftes Abschreiben
macht trotz regelmäßigen Übens immer wieder (neue) Fehler
Verwechslung optisch ähnlicher Buchstaben (verwechselt Buchstaben die sich durch die Lage unterscheiden (d/b, d/p, p/q, u/n, M/W, Z/N))
stellt Buchstaben um ei/ie
schiebt Laute oder Silben ein (Abendbrot/Abendrot, einenen/einen)
verwechselt Umlaute (ü, ö, ä) und Zwielaute (ei, ai, eu, äu)
verwechselt harte und weiche Konsonanten (d/t, b/p, g/k)
verwechselt ähnlich klingende Laute (e/ä, ö/eu, v/f, s/z, ...)
hat Schwierigkeiten mit Dehnungen (ie, stummes „h“, oo, ee, ...)
hat Schwierigkeiten mit Schärfungen (ss, ß, tz, ck,....)
auslassen und vertauschen von Buchstaben
schreibt nach Gehör (so wie es gesprochen wird, z. B. Vata/Vater)
schreibt das gleiche Wort im selben Text verschieden (z. B. viele, fiele)
Syntheseprobleme und stockendes Lesen (Schwierigkeiten beim Zusammenschleifen von längeren Wörtern und liest dann lautierend (Buchstabe für Buchstabe)
liest abgehackt, unrhythmisch und ohne sinngemäße Betonung
fehlende Sinnerfassung beim Lesen
Probleme bei der Planung und des Schreibens von Aufsätzen, Strukturprobleme

2.Wahrnehmungsbereiche:
Tollpatschigkeit und motorische Unsicherheit
graphomotorische und visuomotorische Probleme
verzögerte Sprachentwicklung und Artikulationsprobleme
Schwäche im Kurzzeitgedächtnis
Konzentrationsstörungen
verlangsamtes Arbeitstempo

3. Psychische Merkmale und Verhaltensauffälligkeiten
schulische Ängste
Konflikte mit dem schulischen und familiären Umfeld
negatives Selbstbild und Kontaktscheue
Motivationsverlust
Aggressivität
Psychosomatische Störungen (Kopf-, Bauchschmerzen...)

Diese Probleme können auftreten aber nicht jedes legasthene Kind zeigt alle diese Auffälligkeiten.
Von großer Wichtigkeit ist daher eine ausführliche Diagnostik, da jedes Kind seine eigene Legasthenie/LRS aufweist.



 

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